Gott spricht:
Nur eine kleine Weile habe ich dich verlassen,
doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim.
(Jesaja 54, 7 ; Monatsspruch Dezember
2011)
Wo bleibst du, Trost der Welt?
So hat der katholische Liederdichter, Seelsorger und Theologe
Friedrich Spee in
seinem Adventslied von 1622 „O Heiland reiß
die Himmel auf“ (EG 7) gefragt.
1622 ging der 30jährige Krieg ins 5. Jahr, dass er
noch weitere 25 Jahre so
schrecklich wüten würde, konnte Spee nicht ahnen.
Er hat dessen Ende nicht
mehr erlebt.
„Wo bleibst du, Trost der Welt?“, so fragen
wir, wenn uns das Leben schwer
gemacht wird. Gerade die Advents- und Weihnachtszeit, die
von vielen so
ausgelassen und fröhlich begangen wird, ist für
manche von Schwere und Trauer
bestimmt, weil Sie mehr als sonst an die erlittenen Verluste
erinnert werden, ihre
Einsamkeit spüren und fragen: „Wo bleibst du,
Trost der Welt?“
Nach diesem Trost haben sich auch die in Babel gefangenen
Juden gesehnt.
Dabei hielt sich die äußerliche Not in Babel
für sie in Grenzen. Man konnte in
Babel sein Auskommen finden. Was die Vertriebenen umtrieb
war ihre innere
Not. Der Tempel war zerstört worden, die Heimat verloren.
Gott war aus ihrer
Welt verschwunden. Damit blieb das Leben ohne Sinn und ohne
Zukunft:
Gottverlassenheit als Kern der Not, die den Menschen zutiefst
trifft. Er spürt: ich
bin nicht an dem Ort, an dem ich sein sollte. Mir fehlt
die Beziehung zu dem, auf
den hin ich geschaffen wurde.
In diese Not hinein sagt der Prophet den Menschen die Nähe
Gottes neu zu. Gott
spricht: „Nur für eine kleine Weile habe ich
dich verlassen, doch mit großem
Erbarmen hole ich dich heim.“ Man hört in den
Worten die Stimme einer Mutter,
die nach einer dramatischen Erfahrung ihr Kind tröstend
und liebevoll in den Arm
nimmt.
Zu Weihnachten ist Gott selbst zum Kind geworden, um seine
Liebe und sein
Erbarmen mit der Welt zu zeigen. Da hat er sich aufgemacht
in unsere Not, ist
heimatlos geworden und hat am Kreuz seine Gottverlassenheit
herausgeschrieen, damit wir uns in unserer Not nicht mehr
von Gott verlassen
fühlen. Friedrich Spee meditiert in seinem Adventslied
das Geschehen von
Weihnachten und findet darin den Trost, den er braucht,
um auch in schwierigen
Zeiten mit Hoffnung zu leben: O klare Sonn, du schöner
Stern, dich wollten wir
anschauen gern. O Sonn geh auf, ohn deinen Schein, in Finsternis
wir alle sein.
Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und für
das Jahr 2012 alles Gutes
wünschen Ihnen die Mitarbeiter und Kirchvorsteher unserer
Kirchgemeinde sowie
Pfarrer Dziubek und Pf. Förster